Projektbeispiel 1: Totentanz

Die Totentanz-Wandmalerei in der Turmhalle der Berliner Marienkirche beschäftigt uns intensiv seit 2009. Unser Büro für Restaurierung hat jüngst die Restauratorische Konzeption für den weiteren Umgang mit dieser größten erhaltenen mittelalterlichen Wandmalerei Berlins fertiggestellt. Eine Notsicherung des Putzes ist auf der gesamten Länge des Totentanzbildes im Sommer 2013 erfolgt. Grundlage dafür ist eine tief ins Detail gehende restauratorische Bestands- und Schadensanalyse, die in dieser Form erstmalig an diesem Denkmal erfolgte. Auf einer internationalen Arbeitstagung vom 15.-18. September 2011 wurden erste Arbeitsergebnisse vorgestellt und diskutiert, um zu einem nachhaltigen Konzept zur Präsentation der Totentanzmalerei zu kommen. Eine Publikation ist für Anfang 2014 geplant (Lukas-Verlag Berlin):

Der Berliner Totentanz. Geschichte - Restaurierung - Öffentlichkeit

(Ausschnitt aus dem Tagungsprogramm, 2. und 3. Sektion, Restaurierung und Präsentation)

  • Totentanz und Überleben

Die in dieser Sektion zu verhandelnde Bedeutungsebene liegt in der Aufdeckung, Übermalung, Restaurierung und Ent-Restaurierung seit 1860, dem Jahr der Aufdeckung der Wandmalerei – kurz: der Restaurierungsgeschichte. Die Restaurierungsgeschichte des Totentanzes kann exemplarisch für ähnlich gelagerte Schicksale von mittelalterlicher baugebundener Malerei in der Zeit von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute aufgefasst werden. Dies ergibt sich schon aus der dichten Folge von Eingriffen in den vergangenen rund 150 Jahren, deren Spannweite zwischen Verbesserung der Lesbarkeit durch Ergänzungen und Übermalungen einerseits (1861, 1893-94, um 1925) und Wiedergewinnung der Authentizität durch Abnahme aller Übermalungen andererseits (1954-57) besteht. Damit teilt die Wandmalerei das Schicksal vieler baugebundener mittelalterlicher Kunstwerke. Der vergleichsweise umfängliche, nahezu lückenlose Archivbestand eröffnet die seltene Möglichkeit, die sich daraus ergebenden Probleme für die Konservierung und Präsentation in exemplarischer Weise zu diskutieren.

  • Die Toten und die Lebenden

Die dritte Sektion widmet sich Fragen der Präsentation des Totentanzgemäldes und anderer vergleichbarer Wandmalereien mit problematischen Erhaltungszuständen in der kirchlichen und musealen Öffentlichkeit. Im heutigen Erscheinungsbild ist der Berliner Totentanz zwar als Ganzes noch in der Lage, seine grundlegende Botschaft zu vermitteln, im Detail ist er jedoch durch zahlreiche Fehlstellen gezeichnet. Daraus ergibt sich der Widerspruch zwischen der kunsthistorischen Bedeutung des Werkes und deren Vermittelbarkeit an ein breites Publikum. Zudem ist das Kunstwerk in der Turmhalle stark abgeschottet, dadurch für die Besucher kaum sichtbar, aber auch vergleichsweise gut geschützt. Zukünftig soll der Spagat zwischen der von der Gemeinde gewünschten weitmöglichen Öffnung der Turmhalle für den Besucherverkehr (die Marienkirche steht auf dem Besuchsprogramm zahlreicher in- und ausländischer Berlintouristen) und den konservatorisch erforderlichen Restriktionen in Bezug auf Klimaregulierungen, Verminderung des Eintrags von Schadstoffen aus der Umwelt und Atemluft usw., gelingen. Dazu bedarf es des Erfahrungsaustauschs mit den eingeladenen internationalen Experten.